Boden in Gefahr

Boden ist keine unbegrenzte Ressource. Er ist nicht vermehrbar und – wenn zerstört - nur schwer und kostspielig regenerierbar. Wasser und Luft reagieren verhältnismäßig schnell auf Änderungen der Umwelt.

So kann man auch Schädigungen durch die raschen Auswirkungen, die diese hervorrufen, schnell erkennen und durch Gegenmaßnahmen bekämpfen. Beim Boden ist das etwas schwieriger.

Boden ist als komplexes System in der Natur dazu entwickelt, Veränderungen auszugleichen und abzupuffern (>> Funktionen des Bodens).
Das tut er natürlich auch, z.B. um das Grundwasser zu schützen und Schadstoffausträge dorthin zu verhindern. Außerdem ist Boden ein sich sehr langsam entwickelndes System, das viele hunderttausend Jahre braucht, um so zu werden wie es ist (>> Bodenentwicklung). Logisch, dass auch Veränderungen und schädliche Einflüsse ihre Zeit brauchen - die Zerstörung des Bodens geht meist schleichend vor sich und wird vom Menschen oft
nicht wahrgenommen („aus den Augen, aus dem Sinn“) – erst dann, wenn der Boden verschwunden, zerstört oder seiner Funktionen beraubt ist.

Meist machen erst belastete Nahrungsmittel, verschmutzte Gewässer, eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung oder hohe Boden-Schadstoffwerte eine Schädigung des Bodens offenbar.
Am auffälligsten ist, wenn der Boden einfach weg ist. Zubetoniert. Versiegelt.
Vermissen wir den Boden überhaupt bewusst, wenn wir in unserem Lebensraum keinen mehr finden?
Deshalb glauben wir, wir brauchen ihn nicht!
Irrtum!

Dem Boden drohen viele „Gefahren“, auch natürliche wie Hochwasser, Hangrutschung oder Lawinen, aber die am meisten nachhaltig-negativen durch den Menschen.
Es gibt schon viele beispielhafte Initiativen, die einen nachhaltigen und sorgsamen Umgang mit dem Boden fördern! Diese gilt es in Kooperation zwischen ExpertInnen, EntscheidungsträgerInnenn und der Bevölkerung auszubauen.

Deshalb ist Bodenschutz und Bewusstsein für den Bodenschutz so wichtig!

Was bedroht den Boden?

>> Bodenverlust durch Flächenverbrauch und Versiegelung
>> Zerstörung und Verlust von Boden durch Erosion
>> Kontamination des Bodens durch Schadstoffe
>> Bodenverdichtung

Bodenzerstörung ist oft nicht zu sehen
© Umweltbundesamt

>> Was Sie im Alltag für den Bodenschutz tun können

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Bodenverlust durch Flächenverbrauch und Versiegelung

Unter Flächenverbrauch ist die irreversible Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs-, Verkehrs- und Wirtschaftszwecke sowie für die Entsorgung und Energiegewinnung zu verstehen. Meist werden dabei landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt.

Versiegelung bedeutet das Abdichten der Bodenoberfläche mit festem Material wie Beton, Asphalt und Steine.

Durch Flächenverbrauch und Versiegelung gehen die ökologischen Bodenfunktionen meist verloren.

Das bedeutet

  • unmittelbaren Verlust an der Ressource Boden
  • Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen
  • Verlust an fruchtbarem Boden für Nahrungsmittelproduktion
  • Reduktion/Verlust der Wasserversickerung mit Auswirkungen auf das Grundwasser und den Hochwasserabfluss
  • Schad- und Nährstoffe können im Boden nicht mehr gespeichert und transportiert werden
  • das Kleinklima wird beeinflusst, Boden kann die Temperatur nicht mehr regulieren –
    z.B. „Backofeneffekt“ in Städten
  • Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft durch z.B. Straßen, großflächige, nicht erschlossene Räume werden dadurch immer seltener

Parkplatz
- ein Beispiel
für Versiegelung

© Umweltbundesamt

Der Flächenverbrauch und damit die Versiegelung des Bodens steigen ständig an, täglich sind es etwa 17 Hektar (Stand Frühjahr 2007), die für Siedlungs- und Verkehrstätigkeit beansprucht werden.

Nicht nur die Qualität des Bodens ist zu schützen, auch die quantitative flächenhafte Sicherung der Ressource Boden ist notwendig. Umfassende Maßnahmen zum Schutz
des Bodens müssen daher auch beim Flächenverbrauch und der Versiegelung einsetzen!
Über die Raumplanung, die Praxis in der Flächenwidmung sowie die Verkehrsplanung
oder die Wohnbauförderung kann der Bodenverbrauch gesteuert werden.

Maßnahmen zur Verringerung der Flächeninanspruchnahme sind beispielsweise:

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Zerstörung und Verlust von Boden durch Erosion

Bodenerosion bedeutet den Abtrag von Bodenmaterial – also die Verlagerung von Boden von A nach B.

Prinzipiell ist Erosion ein natürlicher Prozess, der durch Wasser und Schnee, Wind und Schwerkraft Berge abgeschliffen und Landschaften geprägt hat.

Jedoch initiieren und begünstigen vom Menschen geschaffene Strukturen die Erosion wie

  • vegetationsfreie Flächen („nackter“ Boden auf Äckern, gerodeten Waldflächen oder im Weinbau),
  • einige landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen wie Bearbeitung in Hangrichtung und Kulturen
    (z.B. Hackfrüchte in Hanglagen),
  • verdichtete Bodenoberflächen (z.B. durch Maschinen),
  • unbefestigte Hänge.

Kommen dann noch bestimmte Bodeneigenschaften (schluffige Böden sind z.B. besonders erosionsanfällig), klimatische Eskapaden wie Trockenheit, Starkregenereignisse oder starke Stürme hinzu, läuft Bodenerosion noch stärker und schneller ab als sonst.
Mit sehr unangenehmen und auch kostspieligen Folgen!


Erosion
auf einem Feld
nach Starkregen

© Strauß/
Bundesamt für Wasserwirtschaft
Institut für Kulturtechnik


Die vom Menschen verursachte Erosion birgt eine Reihe von Gefahren!

Mit dem Boden verlagern Wind und Wasser auch die enthaltenen Nähr- oder Schadstoffe. Dies schränkt das Pflanzenwachstum ein – in der Natur und am Feld.
Das heißt, Bodenerosion bedeutet in der Landwirtschaft letztendlich auch - je nach Ausmaß - Ernteeinbußen.
Besonders verdichtete Bodenoberflächen ohne Schutz durch Vegetation sind Wind und Wasser ausgeliefert. Das Befahren mit schweren Maschinen oder andere mechanische Einflüsse verpresst die Bodenporen und zerstört Bodenstrukturen. Dadurch kann Wasser nicht mehr gut versickern und fließt oberirdisch ab – es sucht sich einen anderen Weg als jenen durch den Boden - und nimmt Bodenmaterial sowie wichtige Nährstoffe mit.
Dabei besteht auch die Gefahr, dass Nähr- oder Schadstoffe (z.B. Nitrat und Pestizide) in umliegende Bäche, Seen und Flüsse eingeschwemmt werden - dort können sie Überdüngung oder Kontamination verursachen.
Aber auch Trockenheit begünstigt den Bodenabtrag - ungeschützter, trockener Boden ist eine leichte Beute für den Wind.
Besonders die alpinen Bereiche mit ihren steilen Hängen, Almen und schroffen Reliefs sind
exponiert für Erosion. Schnee, Niederschlag und Wind können v.a. oberhalb der Baumgrenzen die meist sehr seichtgründigen, sensiblen Böden stark angreifen.

Anteilsmäßig in Österreich macht die Erosion auf landwirtschaftlich genutzten Flächen den Löwenanteil aus. 1999 betrug der Bodenabtrag auf 125.872 Hektar (3,7%) der gesamten landwirtschaftlichen Fläche (3,4 Mio ha) mehr als 11 Tonnen pro Hektar und Jahr. Auf 122.000 Hektar wurden 6-11 Tonnen und auf 592.000 Hektar weniger als 6 Tonnen Boden abgetragen.

Fazit: Auf den stark betroffenen Flächen ist jedenfalls eine Reduktion des Bodenabtrages nötig.

Starkregenereignisse oder hohe Windgeschwindigkeiten (unser Klima verändert sich!) verstärken die Erosion und können bei unzureichendem Schutz durch Pflanzenbewuchs beträchtliche Mengen Boden abtragen. Das Problem ist, dass die Neubildung von Boden meist nicht annähernd die Menge ausmacht, die durch Erosion abhanden kommt.

So wird neben dem Flächenverbrauch auch auf dem Weg der Erosion der Boden im Laufe der Zeit immer weniger.

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, der Erosion entgegenzuwirken, die von vielen bodenschutzengagierten Land- und ForstwirtInnen bereits angewendet werden:

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Kontamination des Bodens durch Schadstoffe

Die Verunreinigung von Böden mit Schadstoffen ist ein wichtiger Bereich des Bodenschutzes.

Die Schadstoffe, die in den Boden gelangen, sind sehr vielfältig und unterschiedlich in
ihrem Verhalten im Boden sowie in ihrer Wirkung auf Mensch und Umwelt.

Schadstoffe können aus verschiedensten Quellen und auf verschiedensten Wegen in unsere Böden gelangen!

Durch

  • Schadstoffausstoß (Emissionen) von Industrie und Müllverbrennungen
  • Schadstoffausstoß durch KFZ-Verkehr
  • Schadstoffausstoß durch Privathaushalte („Hausbrand“)
  • Deposition auf den Boden über an Partikel gebundene Schadstoffe (z.B. Feinstaub, PM10)
  • Eintrag über Dünger und Pflanzenschutzmittel
  • Ungeregelte Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzte Flächen
  • Salzstreuung im Winter
  • Ungeregelte Deponierung von Müll und Abfall
  • Altstandorte aus Industrie, Gewerbe sonstigen Betrieben (Tankstellen, Schießplätze, Militärübungsplätze, alte Fabriken, Mülldeponien)
  • Radioaktive Substanzen wie Radiocäsium nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl
  • Schadstoffeintrag durch Überflutungen bei Hochwässern


Emissionen aus Industrie
© Umweltbundesamt


Emissionen aus Verkehr
© Umweltbundesamt

Wie geht der Boden mit Schadstoffen um? Im Ökosystem übernehmen die Böden die Rolle eines Filters, Puffers und „Umwandlers“ für Nähr- und Schadstoffe. Das ist die Filter-/Puffer- und Transformationsfunktion. Luft und Wasser tragen durch Deposition von Partikeln und Versickerungdie Stoffe auf / in den Boden ein.
Was passiert mit den Stoffen im Boden?

All dies ist wichtig, um zu verhindern, dass alles was oben reinkommt unten wieder hinausläuft – z.B. ins Grundwasser. Mikroorganismen können einige Schadstoffe als Nahrungsquelle nutzen und sie so in unschädlich(er)e Substanzen umbauen. Chemische Prozesse binden Schadstoffe an Bodenpartikel und halten sie so im Boden.
Der Ablauf all dieser Prozesse und ob sie überhaupt ablaufen hängt ab von den Bodeneigenschaften, vom Standort (Klima, Vegetation…) und menschlicher Beeinflussung. Auch reagieren die einzelnen Schadstoffe je nach ihrer Chemie unterschiedlich im Boden – dies bestimmt auch ihr Verhalten in der Umwelt.

Ein komplexes System, mit hoher Kapazitzät zum Ausgleichen und einem letztendlich doch sensiblen Gleichgewicht.

Das Motto "Aus den Augen aus dem Sinn" funktioniert im Ökosystem nicht wirklich – der Boden als filternde/puffernde Sammelstelle für Schadstoffe ist langfristig keine zielführende Philosophie. Verändern sich die Bedingungen im Boden, kann die Schadstoffsituation schon wieder ganz anders aussehen – was gebunden war, wird mobil!

  • Durch fehlende Vegetation oder Änderungen im Wasserhaushalt können gebundene Schadstoffe mobilisiert werden.
  • Der Boden ist auch nicht unbegrenzt als Schadstofffilter nutzbar – auch dort ist irgendwann die Grenze der Filterkapazität erreicht. Entweder ist wegen der hohen Schadstoffakkumulation der Boden nicht mehr uneingeschänkt nutzbar oder im schlimmsten Fall zu Abfall geworden, der auf die Deponie gehört, bzw. Schadstoffe können nicht mehr gehalten werden und gelangen z.B. ins Grundwasser.
  • Einige Schadstoffe werden kaum bis gar nicht abgebaut – sie sind persistent und verbreiten sich weit im gesamten Ökosystem (z.B. Organische Schadstoffe).
  • Schadstoffe werden an Partikel gebunden durch Erosion (Wasser, Wind) verdriftet und woanders wieder eingetragen.
  • Schadstoffe entweichen in Gasphase in die Luft und werden unkontrolliert über Niederschläge verfrachtet (z.B. Quecksilber, organische Schadstoffe).


verbotene
Müllablagerung

© Umweltbundesamt
Mehr über ausgewählte Schadstoffe
>> Schwermetalle
>> organische Schadstoffe

 

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Bodenverdichtung

Unter Bodenverdichtung versteht man die mechanische Verdichtung und Verpressung von Bodenteilchen sowie der feinen Bodenporen. Diese sind besonders wichtig, da sie dem Wasser-, Gas- und Nährstoffaustausch im den Boden dienen.
Außerdem bieten sie Lebensraum für die wichtigen Bodenorganismen und feine Pflanzenwurzeln. Das Funktionieren dieses Systems ist wesentlich für die Gesundheit und Ertragsfähigkeit eines Bodens. Nur in einem entsprechend porenreichen, lockeren Boden können die wachsenden Pflanzenwurzeln die Bodenpartikel beim Wachsen verschieben und sich ausdehnen. In einem tonigen Lehmboden kann das Porenvolumen bis über 50 % des Gesamtvolumens ausmachen.
Der Prozess der Bodenverdichtung schränkt diese Bodenstrukturen ein oder zerstört sie.
Ursachen für die Verdichtung unserer Böden liegen vorwiegend im Befahren mit schweren Maschinen im Zuge der Bodenbearbeitung durch Land- und Forstwirtschaft oder Bautätigkeit (z.B. Straßenbau). Moderne Maschinen wiegen bis zu 40 Tonnen – damit darf man z.T. nicht einmal mehr auf der Straße fahren.

Die Verdichtung des Bodens hat starke Auswirkungen auf die Bodenstruktur!

Im Boden kommt es dadurch zu

  • Verpressen der Bodenporen - durch senkrecht wirkende Druckkräfte gehen die Hohlräume im
    Boden verloren. Wird der Eigenwiderstand des
    Bodens überschritten, schädigt der hohe Druck den Boden auch unterhalb der Pflugsohle (ca. 40 cm) in größeren Tiefen. Ein moderner Mähdrescher mit bis zu 30 t Gewicht bringt pro Reifen in 1,2 m Tiefe noch Druck von 0,4 bar in den Boden (Van der Ploeg et al, 2006).
  • Verscherung der Bodenstruktur durch Schlupfeffekte von Reifen und Ketten – sie verursachen horizontale Scherkräfte. Bodenteilchen werden waagrecht verschmiert und die Poren abgedichtet.
    Das Bodengefüge wird homogenisiert und verdichtet


Spurrille im Rübenfeld
© Umweltbundesamt


Hochwasserschäden in der Landwirtschaft
© Umweltbundesamt


Bagger im Wald

© Umweltbundesamt


Schäden durch Erosion
und Bodenverdichtung

© Umweltbundesamt

In weiterer Folge führt dies zu

  • Veränderung der Wasser- und Nährstoffflüsse im
    Boden - verringerte Wasserleitfähigkeit und schlechtere Nährstoffversorgung
  • Verringerung des Gasaustausches im Boden, schlechtere Durchlüftung
  • Änderungen des Pflanzenwachstums, feine Pflanzenwurzeln können den dichten, harten Boden nicht mehr so gut durchdringen – Ernteeinbußen sind die Folge
  • Verringerung von Anzahl und Aktivität der Mikroorganismen durch schlechtes Futterangebot – diese können ihre Aufgaben nicht mehr optimal wahrnehmen – ihr Lebensraum wird immer enger und verschwindet
  • erhöhtem Widerstand bei der Bodenbearbeitung –
    das kostet mehr Energie beim Pflügen
  • vermehrter Bodenerosion oder Vernässung von Böden – das Wasser kann komprimierte Bodenschichten nur schwer / nicht durchdringen und fließt an ihnen entlang
  • erhöhter Hochwassergefahr, Böden können weniger Wasser speichern und ableiten (wasserdurchlässige Böden sind ein guter Hochwasserschutz!

Ein paar Facts, um sich ein Bild zu machen…

Die Empfindlichkeit eines Bodens gegenüber Verdichtung ist auch abhängig von seiner Eigenfestigkeit - diese hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die Bodenart ist wichtig - Böden mit hohem Anteil an Schluff und Ton sind wegen des höheren Feinporenanteils empfindlicher gegen Verdichtung als sandige Böden. Vegetation, organische Substanz und Pilze schützen vor Verdichtung – sie machen den Boden stabiler gegen Druck. Auch ob ein Boden nass und weich (Druckausbreitung tiefer und schmäler) oder hart und trocken (Druckausbreitung breiter und flacher) ist, spielt bei der Ausbreitung von Druck im Boden eine Rolle.

Meist sind mechanische Bodenbelastungen nur rückgängig zu machen, wenn die Eigenfestigkeit nicht überschritten wird. Gelockerter Boden ohne Schutz durch Vegetation bietet besonders wenig Eigenwiderstand und ist für Verdichtung sehr anfällig. Noch schlimmer ist es, wenn der befahrene Boden nass ist – z.B. im Frühjahr oder Herbst. Das Wasser in den Bodenporen macht den Boden sehr leicht knetbar, der Boden wird verdichtet. Tiefe Fahrrillen und Beeinträchtigungen der Bodenstrukturen bis in tiefe Bodenschichten sind die Folge! Bei Ackerböden ist Bodenverdichtung unterhalb der Pflugsohle kaum mehr rückgängig zu machen.

Mit den Jahren der Bearbeitung - meist wird der Boden mehrmals im Jahr befahren - sinkt das Porenvolumen kontinuierlich. Studien haben gezeigt, dass bereits die Reduktion des Porenvolumens im Unterboden eines Ackers von 45% auf 42% bedingte, dass die angebaute Gerste noch nach zwei Jahren mit den Wurzeln 1 m Bodentiefe nicht mehr erreichte (Van der Ploeg et al. 2006). Die Wasserversickerung in ehemals sehr guten Ackerböden beträgt heute oft nur noch ein Zehntel oder weniger als es in einem lockeren Waldboden der Fall wäre.

Bodenverdichtung ist ein Grund für nachhaltige Bodendegradation!

Dünnschlifffotographien aus dem Oberboden (0-5 cm) eines lehmigen Bodens veranschaulichen den Unterschied im Bodengefüge zwischen unverdichtetem und verdichtetem Boden

Was hilft dem Boden?

  • Gezielte standortgemäße Bodenbewirtschaftung, berücksichtigen der speziellen Anforderungen des Bodens vor Ort
  • standortgemäße Fruchtfolge
  • optimaler Bearbeitungszeitpunkt – nicht zu nass und nicht zu trocken
  • Vermeidungsmaßnahmen wie die Verwendung von Breitreifen, geringeren Achslasten, Aufbringung von Schutzschichten zur Druckentlastung
  • Förderung der Mikrooganismen
    durch umsichtige Bewirtschaftung
    (z.B. Düngung, Fruchtfolge)
Bild vergrößern
unverdichteter
Boden
mit lockerem
Gefüge

© Pagliai & Bazoffi
Bild vergrößern
verdichteter
Boden
mit verdichtetem
Gefüge

© Pagliai & Bazoffi
Ausgleichsmaßnahmen wie die Lockerung des Bodens oder breite Bereifung bringen oft nur eingeschränkten Erfolg.
Warum? Weil beim Pflügen nur die obere Ackerkrume gelockert wird – tiefere Bodenschichten, in denen die Verdichtung immer mehr zunimmt, bleiben davon leider unberührt.
Einmal verdichteter Boden ist nur schwer bis gar nicht wieder zu regenerieren!

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Was Sie im Alltag für den Bodenschutz tun können
Mit ein paar einfachen Maßnahmen beginnt der Bodenschutz schon im kleinen Kreis zu Hause!
  • Darauf achten, dass keine Chemikalien oder Öle aus Haushalt, Garten oder Garage (alles rund ums Auto!) im Boden versickern – bitte alles sachgemäß entsorgen.

  • Verzichten Sie auf Auftausalze – besser sind mechanische Streumittel, die schonen Boden und Gewässer.
  • Verzichten Sie auf chemische Pflanzenschutzmittel und lösliche Mineraldünger im Garten – nutzen Sie die natürlichen Räuber/Beute Beziehungen mit biologischer Schädlingsbekämpfung; z.B. in den Blumengärten Hirschstetten kann man die Feinde der Schädlinge erwerben. >>http://www.wien.gv.at/ma42/parks/nuetzlinge/
  • Es muss nicht jedes Fleckchen im eigenen Garten zubetoniert oder künstlich gestaltet werden – denken Sie an Stoffkreisläufe, Bodenversiegelung und Klimaregulation und lassen sie Teile Ihres Gartens als Naturgarten. Oder verwenden Sie ökologische Baumaterialen/Bauweisen für z.B. Abstellplätze oder Terrassenbereiche. Fauna, Flora und der Boden wird es Ihnen danken und spannende Gelegenheiten für Naturbeobachtungen bieten.
  • Reduzieren Sie /Verzichten Sie weitgehend auf die Verwendung von Torf (aus Mooren!) im Garten – auch Moore sind Böden, die Schutz brauchen!
  • Vermeiden Sie Müll, kompostieren Sie selbst wenn möglich, lassen Sie Blätter mal liegen, füttern Sie damit die Bodenlebewesen und erzeugen Sie selbst Humus für den Boden.
  • Wenn Ihnen irgendwo draußen in der Natur nicht erlaubte Abfalldeponierungen auffallen – gehen Sie bitte nicht einfach vorbei sondern melden Sie dies bei der zuständigen Behörde wie Gemeindeamt oder Bezirkshauptmannschaft!
  • Und lassen sie auch mal das Auto stehen!
  • Wertschätzen Sie den Boden als Lebensraum und Lebensgrundlage!










© Umweltbundesamt
Viel Spaß und Erfolg beim Bodenschützen!

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Ausgewählte Schadstoffe - Schwermetalle

Schwermetalle (= SM) sind anorganisch und kommen auch natürlich in Böden vor.
Allerdings gilt auch hier: die Dosis macht das Gift!

Normalerweise sind die natürlichen Gehalte sehr gering. Ausnahmen bilden geogen bedingte Einflüsse (z.B. Arsen, Cadmium), wo schwermetallhaltige Gesteinsschichten
z.T. hohe Konzentrationen in den darüber liegenden Bodenschichten bedingen können.

Zu den SM gehören Elemente wie Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber,
Platin, Arsen, die als Schadstoffe zu beachten sind. Aber auch Eisen oder Mangan, die im Ökosystem mehr oder weniger unbedenklich und wichtige Spurenelemente sind, gehören dazu.
Blei kam v.a. aus dem KFZ-Verkehr („Antiklopfmittel“), wobei durch die Einführung von Katalysatoren heute nur mehr geringe bis keine zusätzlichen Bodenbelastungen erfolgen. Dafür wird z.B. Platin aus den Katalysatoren zunehmend belastend für Böden im Einflussbereich von verkehrsreichen Straßen (>> Literatur).
SM werden über den Luftpfad eingetragen, vorwiegend aus Verkehr, metallverarbeitender Industrie, Verhüttung, Verbrennung fossiler Brennstoffe, Pestizideinsatz (z.B. Arsen) oder direkt über schwermetallhaltige Düngemittel (z.B. über Klärschlamm) ausgebracht.

Schwermetalle sind schwer und nur mit hohem Aufwand wieder aus einem belasteten Boden herauszubekommen. An Möglichkeiten, sie mithilfe der Aufnahme über die Wurzeln bestimmter Pflanzen aus dem Boden zu eliminieren, wird geforscht (Phytoremediation).

SM sind im Boden chemisch gebunden oder über die Bodenlösung mobil. Gesamte oder mobile SM-Gehalte können routinemäßig im Labor gut erfasst werden.
Um die Einträge und Gehalte von SM zu regeln, gibt es festgelegte Grenzwerte und Regelwerke (z.B. zur Ausbringung von Klärschlamm, ÖNORMEN...), die jedoch laufend zu überprüfen und aktuellen Entwicklungen anzupassen sind.

In Österreich sind Schwermetallgehalte in Böden bisher gut untersucht (Bodenzustandsinventuren der Bundesländer, Umweltbundesamt 2001, 2004, >> Literatur). Wesentlich ist, die Gehalte im Boden zu beobachten, um Trends und neue Entwicklungen zu erfassen. Dazu kann z.B. die Akkumulation von SM in den sensiblen Moosen (diese speichern SM über Lufteintrag) erfasst werden (Umweltbundesamt, 2004b, >> Literatur), oder nach gezielten Fragestellungen Boden analysiert und interpretiert werden. Die dabei ermittelten Gesamtgehalte von Schadstoffen erlauben Aussagen über die Schadstoffanreicherung im Boden (z.B. >> Bodendaten in Österreich, Bodeninformationssystem BORIS, >>www.borisdaten.at).

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Ausgewählte Schadstoffe - Organische Schadstoffe

Organische Schadstoffe (= Persistant Organic Pollutants, POPs) sind fast ausschließlich menschlichen Ursprungs. Es sind synthetisch hergestellte Verbindungen die – einmal in die Umwelt gelangt – zum Teil nicht abbaubar sind und sich weiträumig in Boden und Gewässern verbreiten. Das macht sie so unkontrollierbar, allgegenwärtig und hartnäckig in unserer Umwelt.
Sie kommen aus dem KFZ-Verkehr, der Produktion von Farben und Holzschutzmitteln, aus Zusätzen zu Kunststoffen, aus gewerblichen und industriellen Verbrennungsprozessen usw.

Als bisher auch im Boden untersuchte Gruppen sind besonders interessant

Viele dieser Stoffe sind in ihrer Toxizität bereits bekannt und in Österreich schon länger verboten wie das Pflanzenschutzmittel Atrazin oder das (alt)bekannte DDT. Aber die Bodenbelastungen aus früheren Verwendungen sind da und das Angebot ist groß - laufend werden neue Stoffe auf den Markt gebracht. Ihre Vielfalt erfordert zunehmende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Polybromierte Diphenylether (Flammschutzmittel), oder Phtalate - „Weichmacher“-, die z.B. Kunststoffen zugesetzt werden (in Kinderspielzeug, als Gebäudeschadstoffe, in Olivenöl) sind noch nicht lange bekannt.

Viele dieser Stoffe stehen im Verdacht, Schäden auf die Fruchtbarkeit oder ungeborene Kinder zu haben, sie werden in Fettgewebe und Muttermilch angereichert. Auch Hautkrankheiten können die Folge sein. Sie stören das Immunsystem und können den Hormonhaushalt oder das Nervensystem beeinflussen. Krebserregende Wirkungen sind heute z.T. bereits erwiesen wie bei Bezo(a)pyren (PCB) im Ruß, das als Berufskrankheit
bei Schornsteinfegern bereits 1975 bekannt wurde.
POPs werden über die Pfade Luft / Boden / Wasser verbreitet und in Boden und Gewässer eingetragen. Sie reichern sich in der Nahrungskette, in Tieren und Pflanzen an.

Dioxine und PCBs findet man z.B. im Gewebe von Fischen, die es über ihren Lebensraum Wasser aufnehmen. In den Boden werden POPs mit Klärschlamm und Kompost eingetragen oder über den Luftweg als Emissionen. Für Österreichs Böden weist eine Untersuchung von POPs im Grünland (Umweltbundesamt, 2006, >> Literatur) die ubiquitäre Verbreitung nach. In Waldböden finden sich ebenfalls noch deutliche Konzentrationen an Stoffen, die bereits seit Jahrzehnten nicht mehr in Verwendung sind (Umweltbundesamt, 2002, >> Literatur) – ein Zeichen für ihre Persistenz.
International wird eine Verringerung der Belastung mit POPs durch Verbote, Einschränkungen und Richtlinen mit dem „Protocol on Persistant Organic Pollutants“ (1998) der UN-ECE und der „Stockholm-Konvention“ (2001) der UNEP angestrebt.

Durch ihre unkontrollierbare Verbreitung sowie Persistenz in der Umwelt ist auch der Bodenschutz gefordert, Daten zu erheben, Richtwerte und analytische Methoden (weiter-) zu entwickeln. Ziel ist, diese Stoffe - vor allem hinsichtlich des Schutzes von Lebensmitteln (Pfad Boden-Pflanze), des Wassers und letztendlich unserer Gesundheit - zu erfassen und zu beurteilen.

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