Boden ist wichtig

Mit Boden assoziieren viele nur Untergrund, egal wie er beschaffen ist - zubetoniert als Parkplatz, oder als Spekulationsobjekt und Wertanlage. Dreck, Erde und Gatsch trifft es auch noch nicht so ganz – kommt aber der Sache aber schon etwas näher.

Tatsächlich ist Boden viel mehr als die Fläche, auf die wir von oben herabschauen und für die wir Geld bezahlen – darunter verbirgt sich ein komplexes, lebendiges System mit vielen wichtigen Funktionen für uns Menschen und unsere Umwelt. Im Boden treffen sich die meisten Kreisläufe und die Elemente Wasser, Luft und Erde verbinden sich. Tiere, Pflanzen, Klima – alle sind Teil des Bodens und er von ihnen.

Also doch nicht bloß Dreck?!

Grundsätzlich hat Boden leider ein PR- und Image-Problem!
Mit diesem müssen wir aufräumen!

Boden ist nicht plakativ und schön - zumindest für
Noch – nicht - Eingeweihte. Während BodenkundlerInnen ins Schwärmen kommen, können sich unsere Böden optisch für die meisten nicht mit Wasserfällen oder schönen Landschaften messen. Dementsprechend wird Boden auch meist nicht in den Medien aufbereitet. Schade eigentlich!
Aber: Worauf wachsen die schönen Landschaften und wer filtert das Wasser, dass es so schön klar ist? Wo werden Nährstoffe für Pflanzen und Tiere generiert? Im Boden!

Boden emotionalisiert nicht – er ist nicht herzig oder berührend, er schreit nicht, wenn er misshandelt wird, üblicherweise empfindet man kein Mitleid, wenn er verschwindet.
Aber: Boden ist einfach da bis er zubetoniert oder versiegelt wurde. Erst wenn keine Pflanzen mehr darauf wachsen weil der Lebensraum Boden weg oder mit Schadstoffen verseucht ist, oder wenn wir Menschen krank werden, weil wir diese Schadstoffe über die Nahrungskette (Boden->Pflanze) oder über Partikel aufnehmen, dann wird die Bedeutung des Bodens deutlich.

Boden wird oft als unangenehm oder fast bedrohlich empfunden, weil er mit Dunkelheit, Kälte, Nässe und
sogar Tod in Verbindung gebracht wird. Redewendungen wie „am Boden zerstört sein“ sind auch nicht unbedingt positiv behaftet.
Aber: denken wir an Redensarten wie „Am Boden der Tatsachen bleiben“, „Handwerk hat goldenen Boden“,
„den Boden anbeten, auf dem jemand steht“,
„bodenständig, geerdet sein“, usw..
Bodeneigenschaften haben Menschen, ihr Verhalten und ihre Entwicklung schon immer entscheidend positiv
geprägt: Nahrung, Lebensraum (Fruchtbarkeit, Bewirtschaftung), Werkstoff (Ton, Lehm für Gerätschaften, Hausbau…), Rituelles (Totenkulte, Fruchtbarkeitsriten zur Segnung der Ernte), geschichtliches Archiv…Boden gehört einfach zu unserer menschlichen und kulturellen Entwicklung – nicht nur in früheren Kulturen!

Heute haben viele Menschen keinen unmittelbaren Kontakt mehr mit Boden, wie es z.B. Landwirte oder Gärtner haben. Oft ist er gar nicht mehr wahrnehmbar in unserem Lebensraum, oder er ist schon so degeneriert, dass man gar nicht mehr hinschauen mag. Genau deshalb geht Bodenverlust durch Versiegelung oder Verschmutzung alle etwas an, auch z.B. StadtbewohnerInnen, die das Gemüse im Supermarkt kaufen.

Böden sind schön
und wichtig

© Umweltbundesamt

Pflanzen und Vielfalt gäbe
es ohne Boden nicht

© Umweltbundesamt

Nahrungsmittel sind
"Früchte" des Bodens

© Umweltbundesamt

"Boden" auf einer
Baustelle
© Umweltbundesamt

Fazit: Boden ist genauso ein Teil unserer Umwelt wie Wasser, Luft oder Klima – und die sind uns schließlich auch wichtig!

Das besondere am Boden ist, dass sich

  • Luft (Bodenluft),
  • Wasser (Bodenwasser),
  • Minerale (verwittertes Gestein),
  • Tier- und Pflanzenreste, lebende Bodentiere und Pflanzen und Humus (Organische Substanz)
im Boden treffen und komplex zusammenwirken.
Viele chemische und physikalische Prozesse laufen ab, Reaktionen und Interaktionen zwischen den einzelnen Komponenten machen die Charakteristik und den Zustand eines Bodens aus.
Wie ein eigener Organismus – der auch zerstört werden kann.

Diese Vorstellung vom Boden ist eine Emotion wert, oder?

>> Seitenanfang